Kinderprojekte - Archiv

Kleiner Salon

Ort
stadtbauraum Gelsenkirchen
Laufzeit
03. November 2009

 

Netzwerktreffen zwischen ausgewählten Baukultur-Akteuren der Landesinitiative StadtBauKultur NRW und RUHR.2010
Eine gute Idee: Für einen Tag bekam der Baukultur Salon einen kleinen Bruder. Auf Initiative von StadtBauKultur NRW trafen sich am 03. November 2009 Architekten, Stadtplaner, Künstler, Kuratoren, Planer und Manager im Kleinen Salon zu einem informellen Erfahrungsaustausch. Sie alle sind mit dem Veranstalter in der einen oder anderen Weise verbunden. Sei es durch Projekte für die Landesinitiative StadtBauKultur NRW oder für die Europäische Kulturhauptstadt RUHR.2010.
Während in der Reihe Baukultur Salon Erfolge und Schwierigkeiten europäischer Kulturhauptstädte öffentlich diskutiert werden, standen im Kleinen Salon praxisnahe Fragen aus dem Projektalltag im Fokus.

Neue Perspektiven
Der Kleine Salon bot den Teilnehmern einmalig die Möglichkeit, im direkten Austausch Lösungsansätze zu finden und zukünftige Allianzen zu schmieden. So werden etwa der Architekt Matthias Rick, raumlabor berlin, vom Projekt Odyssee Europa und Inez Boogaarts, Generalkonsulat des Königreichs der Niederlande, vom Projekt GastGastgeber zukünftig gemeinsam nach geeigneten Unterkünften für Künstler suchen. Ebenfalls ganz oben auf der Tagesagenda stand die kooperative Entwicklung von Strategien, um die Öffentlichkeit in Planungs- und Realisierungsprozesse einzubinden.

Jedes Projekt im Kleinen Salon war durch einen Mitarbeiter aus dem organisatorischen und einen aus dem künstlerischen, kuratorischen Bereich vertreten. Einen guten Rahmen für ungezwungene Gespräche in kleinen Gruppen garantierte die flexible Dialogmethode „World-Café“. Sie bot den Teilnehmern Raum, sich aktiv in Diskussionen einzubringen und von anderen konstruktive Handlungsoptionen kennen zu lernen. In entspannter Kaffeehaus-Atmosphäre wurden strukturelle und inhaltliche Fragen erörtert.

Organisation als Beitrag zeitgemäßer Planungskultur
Alle Themenstellungen behandelten Aspekte, mit denen die Teilnehmer in ihrer täglichen Arbeit in Berührung kommen. Zum Beispiel wie sich sinnhafte Information vermitteln lässt. Welche technischen Möglichkeiten und Einrichtungen stehen mir zur Verfügung? Welche Ansätze und Maßnahmen stehen mir in den Bereichen Werbung und Marketing offen? Und welche Funktion übernimmt dabei das Projektmanagement?

Zunächst einmal, so der Tenor der ersten Runde, sollte über die Relevanz von Informationen nachgedacht werden. Müssen alle Beteiligten über alles in Kenntnis gesetzt werden? Wer benötigt Daten? Zu welchen Zweck? Und zu welchem Zeitpunkt? Unter solchen Fragestellungen kann Arbeit gezielt strukturiert und besser organisiert werden. Der Klassiker der internen Vermittlung scheint weiterhin der Newsletter per E-Mail zu sein. Einfach und direkt. Statt vieler schöner Worte sind hier harte Fakten gefragt. Information muss Relevanz besitzen und sie muss direkt adressiert sein, weiß Thomas Hebler von koelnarchitektur e. V., der mit dem Projekt BAUWATCH.MOBI nach neuen Wegen der Kommunikation sucht.

Wenn die Kommunikation nicht an eine spezialisierte Agentur nach außen vergeben wird, läuft die Arbeit im Rahmen eigener Strukturen. Heikel wird es immer dann, wenn mehrere Partner an einem Projekt beteiligt sind. Optimal ist ein Vermittler, der von außen kommt und zwischen den Beteiligten koordiniert. Das Projekt Starke Orte beauftragte dazu beispielsweise Erik Schöneberg, Künstler aus Berlin.

Für die Außendarstellung gilt es, die Aktivitäten auf einer gemeinsamen Website zu bündeln und das PR-Engagement abzustimmen. Nicht jedes Projekt kann, etwa im Verbund von RUHR.2010, gleichermaßen beworben und gefördert werden. Um aber dennoch Aufmerksamkeit zu erzielen, bedient häufig jeder Projektpartner sein eigenes Netzwerk mit Informationen. Da kann es mitunter zu Überschneidungen kommen, wie Katharina Brzenczek vom Projekt Baukultur in Bonn berichtete. Nur sollte vorher Einigkeit herrschen. Ein gemeinsames Leitbild erhöht das Wiedererkennen von außen und erleichtert die Vermarktung. Die Abstimmung der Projektpartner sollte unbedingt vor der Realisierung geschehen, nachträglich ist ein Zusammenkommen zu schwierig.

Schlechte Erfahrungen mit der Presse demotivieren ungemein. Trotzdem sind die mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit Beauftragten zur weiteren Zusammenarbeit gezwungen. Die Mitarbeiter dürfen sich nicht entmutigen lassen, sie müssen den Faden immer wieder neu aufnehmen. Eine gute Lösung verspricht der Kontakt zur Politik, deren Vertreter schon aus eigenem Interesse zur Schützenhilfe verpflichtet sind. Mareen Hoffmann, Stadt Bottrop, bestätigte, dass es für ihr Projekt Parkautobahn A42 nützlich war, sich bei Politikern um eine Konfliktlösung zu bemühen.

Über die steigende Bedeutung von so genannten sozialen Netzwerken im Internet sind sich alle einig. Dennoch geben viele zu: Wir sind noch nicht so weit. Doch der Countdown läuft bereits. Bis 2010 sind alle mit der Kulturhauptstadt verbandelten Projekte verpflichtet, sich auf Facebook zu präsentieren.

Noch mangelt es den Projektmachern für Webaktivitäten an Zeit und auch ein wenig an der Bereitschaft, sich auf das neue Medium einzulassen. Das mag unter anderem an der Altersstruktur liegen. Während Facebook in Deutschland größtenteils Benutzer zwischen 18 und 34 Jahren anspricht, wird Twitter von durchschnittlich älteren Menschen genutzt. Im Kleinen Salon sind die Teilnehmer gar der Meinung, dass hier vor allem die Generation 40plus zur Zielgruppe gehört. Soziale Netzwerke und die Medien der Jüngeren dürfe man dennoch nicht ignorieren, fasste Markus Ambach, Kurator des Projektes B1/A 40 – Die Schönheit der großen Straße, den Tenor der Runde zusammen.

Eine weitere Alternative, um Besucher zum Besuch eines Veranstaltungsortes zu animieren, sind Mobiltelefone, denkt Claudia Jansen, Stadt Duisburg, vom Projekt Temporäre Stadt an besonderen Orten. Zugleich können Gäste vor Ort mit allen relevanten Projektinformationen versorgt werden, sodass das Handy die Rolle eines gedruckten Reiseführers oder Programmbuchs übernimmt.

Netzwerk als Grundlage kreativen Handelns
Da sich eine Reihe von Projekten im Übergang von der Planung zur Realisierung befindet, war der Zeitpunkt für den Kleinen Salon gut gewählt. Denn an welcher Stelle es hakt und wo nachzubessern ist, wird schließlich erst klar, wenn es an die praktische Umsetzung geht. Unterstützung und Hilfe kommt, so der Tenor der zweiten Runde, in erster Linie aus dem Netzwerk.

Doch wie lässt sich ein Netzwerk aktivieren, wie einbinden? Wie setzt es sich zusammen und welchen Einfluss hat es auf das Projekt? Zahlreiche Teilnehmer arbeiten in Zusammenschlüssen und unter Labels, die selbst auf der Netzwerkidee basieren. Würde man die Verknüpfungen grafisch darstellen, ergäbe sich ein dichtes Flechtwerk einander überschneidender Strukturen. So ist jeder Teilnehmer in verschiedenen Netzwerken unterwegs. Um einen anderen Blick auf die Projekte zu gewinnen, Vielfalt und Innovation zu befördern, wird in vielen Projekten versucht, unterschiedliche Disziplinen anzusprechen und zusammenzubringen. Dazu bedarf es grundsätzlich der Öffnung und Bereitschaft zur Kooperation mit anderen Initiativen.

Dennoch zögern die Mitarbeiter von Projekten, sich auf andere einzulassen und zu kooperieren. Sie mögen zuweilen vom Kirchturmdenken nicht lassen. Ein unvoreingenommener Vermittler ist in solchen Situationen gut geeignet, um zwischen Projekten Brücken zu schlagen. Insbesondere jene, die ähnliche Ziele verfolgen, befürchten, dass durch Kooperationen ihre Souveränität verletzt werden könnte. Des Weiteren schwingt latent die Furcht mit, dass Fördermittel gekürzt oder gestrichen werden. Potenzielle Sponsoren könnten fragen: Wenn es ein Projekt gibt, wozu dann noch ein zweites?

Nun finden sich im Projektalltag vor Ort nicht unbedingt jene Leute, die für eine Zusammenarbeit wünschenswert wären. Neue Partner können die bereits erwähnten sozialen Netzwerke vermitteln. Anke Leitzgen, die für StadtBauKultur NRW das Buch Erobere deine Stadt realisiert, hat die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die technischen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen und an regem Austausch mit Fachleuten interessiert sind, Einrichtungen wie Xing oder Facebook auch semiberuflich nutzen. Warum also nicht auch für sein Projekt? Es ist leicht, in bestehende Netzwerke einzusteigen und seinen Aktionsradius schnell zu erweitern.

Intervention verändert Stadt – Stadt mit anderen Augen sehen
Interner Austausch ist das eine, Vermittlung von Inhalten nach außen das andere. In der dritten Runde wurde die nachhaltige Wirkung von Projekten hinterfragt. Wird die Wahrnehmung am Veranstaltungsort spürbar verändert? Wie werden Inhalte vermittelt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht? Fachleute begeistern sich schnell für Projekte, Bewohner sind hingegen zunächst eher skeptisch. Ein Beispiel wäre der Tetraeder in Bottrop. Groß waren zu Beginn die Proteste der Einwohner, heute gilt das Kunstwerk als Wahrzeichen der Stadt und ist weithin als touristische Landmarke berühmt. Es wäre schön, wenn zeitliche Prozesse durch exzellente Vermittlungsstrategien verringert werden könnten.

Am meisten Erfolg habe die unmittelbare Ansprache, so die Einschätzung der Projektmacher. Das direkte Gespräch scheint mehr Wirkung zu zeigen als jede Flugblattaktion und jeder Zeitungsartikel. Gute Resonanz hat das Projekt Parkautobahn A42 mit Infoständen in der Stadt und direkt vor Ort gemacht. Sehr positiv wurden ebenfalls die Publikumsabstimmungen der Projektmacher bewertet. Durch ihre Befragungen konnten sie deutlich machen, dass der Mitgestaltungswille der Anwohner und deren Anteilnahme an den Veränderungen in ihrer Stadt ernst genommen werden.

Leuchtturmprojekte muss es im Kulturhauptstadtjahr ebenso geben wie große Events, darüber waren sich alle einig. „Wir hoffen, mehr Leute als hier vor Ort zu erreichen“, wünschte sich Felix Eich, Generalkonsulat des Königreichs der Niederlande, vom Projekt GastGastgeber. Er war der Ansicht, dass zu viel aus der Region nur für die Region geplant sei. An einem völlig neuen Image der Region ist jedoch keinem der Teilnehmer gelegen, die an Projekten für RUHR.2010 arbeiten. Für die meisten zählen die Kunst der kleinen Schritte, die langfristigen Veränderungen, die Verbesserungen der Lebensqualität und des Lebensraumes vor Ort. Manchmal sei schon viel erreicht, wenn ein Einzelner umdenkt und zu kleinen Zugeständnissen bereit ist. Dann folge vielleicht eins aufs andere. Und sei es nur, dass ein Vermieter einen ungenutzten Raum zeitweise für ein „verrücktes Projekt“ frei gibt.

Qualitätsmessung im öffentlichen Raum ist für Kulturschaffende ein großes Problem. Aber das ist nicht möglich. Es fehlen die entsprechenden Instrumente, mit denen sich Publikumsreaktionen messen lassen. Oft vergehen Jahre, um Veränderungen bestimmen zu können. Einige Reaktionen werden wohl nie registriert.

Ebenso schwierig ist es nach Ansicht von Teilnehmern wie Peter Köddermann, M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW, vom Projekt positionen − junger architektur, Kriterien für Nachhaltigkeit festzulegen. Nur bei den Interventionen der Projekte entlang von Flüssen, Kanälen und Autobahnen handelt es sich um dauerhafte Eingriffe, da sie von vornherein langfristig konzipiert sind. Aber auch temporäre Aktionen können nachhaltige Folgen bewirken. So hat zum Beispiel die Projektarbeit von niederländischen und deutschen Schauspielern in der kommenden Theatersaison zu einer binationalen Kooperation am Schauspielhaus Bochum geführt.

Nur wenig oder in den meisten Fällen gar nicht wird bei Projektvorbereitungen an Kinder und Jugendliche gedacht. Die Gesprächsteilnehmer des Kleinen Salons mussten eingestehen, dass dieses Klientel nicht ernst genug genommen wird. Eventuelle Etats für pädagogische Programme fallen schnell dem Rotstift zum Opfer. Häufig sind in den Projekten überhaupt keine Kapazitäten für eine Vermittlung an Kinder vorhanden. „Wir können das nicht leisten“, lautet oftmals das resignierte Eingeständnis. Dabei sollte es selbstverständlich sein, bei der Planung auch an Kinder zu denken.
Eine hervorragende Möglichkeit, um junges Publikum direkt anzusprechen, ist der Einsatz von Kinderreportern. Die kostenniedrige Intervention ermöglicht den jungen Besuchern einen aktiven Blick auf das Projekt, zugleich gewährt es den Großen ein Feedback aus einer ganz anderen Perspektive.

Gute Aussichten
Bis zum Ende des Tages blieb die Atmosphäre im Kleinen Salon gelöst und überaus lebhaft. Indem die Teilnehmer Fragen einbrachten, die sich unmittelbar auf die Projekte bezogen, erwies sich der Kleine Salon als Ort konkreter Zusammenarbeit. Man kann durchaus von „Anpacker“-Stimmung sprechen. Billie Erlenkamp von erlenkamp kultur ist überzeugt, mit ihrem Projekt Über Wasser gehen frischen Wind in die Region zu bringen, den Mief aufzuwühlen. Auch nach dem Ende des Kulturhauptstadtjahres wollen die meisten Teilnehmer ihre Projekte fortsetzen. Nachhaltigkeit gilt als wesentliche Voraussetzung der Planung.

Dank der Vermittlung von StadtBauKultur NRW wurden an diesem Tag neue Kooperationen vereinbart und neue Kontakte geknüpft. Aus einem losen Verbund von Projekten ist ein neues Netzwerk entstanden.

Markus Weckesser

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