RÜCKBLICK Rotterdam
2001 – Architektur und Inszenierung von Stadt als nachhaltige
Strategie? Der Baukultur Salon ist eröffnet und wird bis zum Jahr 2010
die Baukultur in der Kulturhauptstadt RUHR.2010 begleiten.
Die Auftaktveranstaltung bot mit unterhaltendem Programm auf hohem
fachlichem Niveau einen gelungenen Einstieg in die Veranstaltungsreihe.
Der Impulsvortrag des Intendanten der Kulturhauptstadt Rotterdam
2001 bezog sich auf das Baukulturprogramm und das viel versprechende
Kulturhauptstadt-Motto „Rotterdam ist viele Städte“.
Der
Soziologe und Historiker Bert van Meggelen nutzte den Roman „Die
unsichtbaren Städte“ von Italo Calvino als Inspirationsquelle
für sein Programm, darunter u.a. die Projektidee „At
home in Rotterdam“. Die Kulturhauptstadtbesucher konnten 40
Wohnungen aus unterschiedlichen Jahrzehnten, über die Stadt
verteilt, besuchen und ganz nebenbei die dazugehörigen Stadtteile
kennenlernen.
Yolanda Ezendam zeichnete für dieses Projekt in 2001 verantwortlich
und leitet heute das „Jahr der Architektur – Rotterdam 2007“.
Dieses
Festival reiht sich in eine ganze Reihe von Themenjahren ein, die
seit der Kulturhauptstadt Rotterdam 2001 regelmäßig durchgeführt
werden. So wird die Stadt nicht neu gebaut, nur neu inszeniert und
nachhaltig ins Bewusstsein gerufen. Die Nachhaltigkeit beschäftigt
auch Agnes Wijers vom NAi, die eindrücklich schilderte, dass
es vieler Initiativen, Vereine und Institutionen bedarf, um nach
der großen kulturellen Anstrengung im Kulturhauptstadtjahr,
das geschaffene kreative Klima zu erhalten. Das
konnte Oliver Thill, Atelier Kempe Thill, nur bestätigen. Er
lebt und arbeitet als deutscher Architekt in Rotterdam, nachdem
er sich vor fast sieben Jahren als Europan-Preisträger dort
selbstständig gemacht hat. Er definierte das Geheimrezept Rotterdams
wie folgt: niedrige Mietpreise in einer Arbeiterstadt, ein guter
Ruf in der internationalen Architekturszene und ein großer
Drang der Niederländer zur Geselligkeit. Das zusammen genommen
ziehe eine junge Kreativszene an. Den
Brückenschlag ins Ruhrgebiet lieferte Thorsten Schauz, der
in 2001 in Rotterdam studierte und mittlerweile im Revier lebt und
arbeitet. Seine Projektidee „Route der Wohnkultur“ ist
inspiriert vom Rotterdamer Projekt „At home in Rotterdam“,
das er live erleben konnte. Einfach zu übertragen ist die Idee
jedoch nicht, das RUHR.2010-Gebiet umfasst gleich 53 Kommunen. Ein
niederländischer Ratschlag zum Projekt: Schon der Weg von einer
Wohnung zur nächsten muss theatralisch inszeniert sein. Der
Kulturhauptstadt RUHR.2010 wurde insgesamt der Rat mit auf den Weg
gegeben: Die Herausforderung und große Chance liegt in der
regionalen Dimension und dem Metropolen-Anspruch. Zum Abschied bekam
Bert van Meggelen noch einen Lesetipp, Erik Regers „Union
der festen Hand“, ein unvergleichliches Stück Ruhrgebiets-Literatur
aus den 1930er Jahren, das heute immer noch seine Gültigkeit
besitzt und den Kulturhauptstadtmachern im Revier eine Inspirationsquelle
sein könnte.
|
|
PROGRAMM
Vortrag und Diskussion mit:
Bert van Meggelen, Intendant der Kulturhauptstadt Rotterdam 2001, Berater RUHR.2010
Agnes Wijers, Netherlands Architecture Institute, NAi Rotterdam
Yolanda Ezendam, Jahr der Architektur Rotterdam 2007, Projektleitung Rotterdam 2001
Oliver Thill, Atelier Kempe
Till Architekten, Rotterdam
Thorsten Schauz, stadtidee, Projektautor Route der Wohnkultur
Moderation:
Katja Aßmann, StadtBauKultur NRW / Ruhr.2010
Filmpräsentation zum Jahr der Architektur 2007 bei Live-Musik und typisch holländischen Leckereien |