Baukultur Salon Luxemburg

Ort
stadtbauraum (Gelsenkirchen)
Laufzeit
16. August 2007

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RÜCKBLICK Einen Blick ins aktuelle Kulturhauptstadt-Geschehen ermöglichte der zweite Baukultur Salon: Luxemburg mit Großregion präsentiert sich seit dem Frühjahr als Kulturhauptstadt 2007. Die Stadt ist „mittendrin“ und beschäftigt sich mit entsprechenden Präsentationen, Veranstaltungen und baukulturellen Aktivitäten. Es war es für viele Interessierte aus dem Ruhrgebiet spannend, die Aktionen, aber auch die Stimmung in so einem wichtigen Jahr zu „schnuppern“. So fanden zu der zweiten Veranstaltung in der Reihe zahlreiche Besucher den Weg in den stadtbauraum. Die Referenten widmeten sich aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln der Kulturhauptstadt Luxemburg 2007, ihren Qualitäten und Inszenierungen.
Geraldine Knudson, City Managerin aus Luxemburg, berichtete, wie dort ein Leitbild entwickelt wurde, das mit den Besonderheiten der Stadt – sie ist mit 68000 Einwohnern eher klein und mit ihren 63% Ausländern multikulturelles, gelebtes Europa – umgeht. Imagebildend für sie ist darüber hinaus die baukulturelle Aussage einer Stadt, die sie in allen Aktivitäten zur Profilbildung berücksichtigt wissen möchte.
Léonore Branche, Kuratorin des Luxemburger Projekts „Urban Lab“, gab einen Überblick über eine Vielzahl von Visionen, die international renommierte Architekten in Architektenworkshops mit Studenten für ein Luxemburg von morgen entwickelten. Die Schlüsselorte der Stadt wurden im Rahmen von „Urban Landmarks“ herausgearbeitet: Mittels künstlerischer und architektonischer Projekte wurde für sie eine besondere Inszenierung geplant.
Regina Bittner, Leiterin des Bauhaus-Kolleges der Stiftung Bauhaus Dessau, skizzierte das Kulturhauptstadtprojekt „Europe on the Move“, das auf ungewöhnliche Weise, nämlich durch künstlerische Interventionen im Stadtraum die Mobilität, das Pendeln, das Umziehen von Stadt zu Stadt im modernen Europa thematisiert: Stapel von Umzugskartons und Wohnungsreinrichtung simulierten als temporäre Installation die Mobilität, der Kamin an der Straßenecke war eine die heimelige Geste in einem fremden Stadtraum und letztlich thematisierten die vielen, auf einer Fußgängerbrücke ausgelegten Fußmatten den Übergang vom Privaten ins unpersönliche Öffentliche.
Am Beispiel „Luxemburg 2007“ wurden in der anschließenden Diskussion noch einmal intensiv die Effekte der vielfältigen kulturellen Aktivitäten einer Kulturhauptstadt hinterleuchtet. Luxemburg wurde kritisiert, lediglich ein Feuerwerk von Aktionen abzufackeln, um ein Jahr lang im Focus der Aufmerksamkeit zu stehen. Dieses Verständnis von Kulturhauptstadt sei zu kurz gegriffen, langfristige „Einträge“ in ein kollektives Gedächtnis mit neuen Bildern einer Stadt seien so nicht zu erreichen, so auch Francois Valentiny, Präsident der Fondation de l`Architecture et de l`Ingéniere in Luxemburg. Vor diesem Hintergrund sei eine ernsthafte Architekturdiskussion extrem wichtig, um letztlich auch mit baukulturellen Aktivitäten einen bleibenden Effekt zu erzeugen und den Qualitäten einer Stadt ein Gesicht zu geben.
Dirk Haas, RE.FLEX architects, stellte abschließend ein Projekt vor, das zur Kulturhauptstadt RUHR.2010 angemeldet wurde: Land for Free widmet sich dem eigenwilligen Landschaftsraum entlang der Emscher mit seinen postindustriellen Brachflächen. Diese andersartigen Freiräume, diese neuartigen Parks, die nicht dem entsprechen, was das gelernte Bild eines Parks meint, diese Standorte gilt es, mit vielfältigem Pioniergeist zu erobern. Dieses Land wartet darauf, neu in Besitz genommen zu werden! Dazu werden per Aufruf „Pioniere“ gesucht, die einzelne Claims zeitlich begrenzt zur Verfügung gestellt bekommen, um sie kulturell zu erobern und neu zu definieren – mit Sommerkolonien auf stillgelegten Gleisanlagen, mit Erfindergaragen auf ehemaligem Industriegebiet oder vielleicht sogar mit einer bleibenden nutzbaren Infrastruktur zur Beherbergung von Besuchern.

 

PROGRAMM

Vortrag und Diskussion mit:
François Valentiny, Hermann & Valentiny et Associés, Remerschen
Géraldine Knudson, Citymanagerin Luxemburg
Lèonore Branche, Projektleiterin Urban Lab, Luxemburg 2007
Regina Bittner, Bauhaus Kolleg Dessau, Projektleiterin Europe on the move Sibiu/Luxemburg 2007
Dirk Haas, RE.FLEX architects, Projektautor Land for Free

Moderation:
Prof. Christa Reicher, Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung

Autoroute du Soleil – ein Road-Movie | www.osmosiscie.com