RÜCKBLICK Einen
Blick ins aktuelle Kulturhauptstadt-Geschehen ermöglichte der
zweite Baukultur Salon: Luxemburg mit Großregion
präsentiert sich seit dem Frühjahr als Kulturhauptstadt
2007. Die
Stadt ist „mittendrin“ und beschäftigt sich mit
entsprechenden Präsentationen, Veranstaltungen und baukulturellen
Aktivitäten. Es war es für viele Interessierte aus dem
Ruhrgebiet spannend, die Aktionen, aber auch die Stimmung in so
einem wichtigen Jahr zu „schnuppern“. So fanden zu der
zweiten Veranstaltung in der Reihe zahlreiche Besucher den Weg in
den stadtbauraum. Die Referenten widmeten sich aus den unterschiedlichsten
Blickwinkeln der Kulturhauptstadt Luxemburg 2007, ihren Qualitäten
und Inszenierungen.
Geraldine
Knudson, City Managerin aus Luxemburg, berichtete, wie dort ein Leitbild
entwickelt wurde, das mit den Besonderheiten der Stadt – sie
ist mit 68000 Einwohnern eher klein und mit ihren 63% Ausländern
multikulturelles, gelebtes Europa – umgeht. Imagebildend für
sie ist darüber hinaus die baukulturelle Aussage einer Stadt,
die sie in allen Aktivitäten zur Profilbildung berücksichtigt
wissen möchte.
Léonore Branche, Kuratorin des Luxemburger Projekts „Urban
Lab“, gab einen Überblick über eine Vielzahl von
Visionen, die international renommierte Architekten in Architektenworkshops
mit Studenten für ein Luxemburg von morgen entwickelten. Die
Schlüsselorte der Stadt wurden im Rahmen von „Urban Landmarks“
herausgearbeitet: Mittels künstlerischer und architektonischer
Projekte wurde für sie eine besondere Inszenierung geplant.
Regina
Bittner, Leiterin des Bauhaus-Kolleges der Stiftung Bauhaus Dessau,
skizzierte das Kulturhauptstadtprojekt „Europe on the Move“,
das auf ungewöhnliche Weise, nämlich durch künstlerische
Interventionen im Stadtraum die Mobilität, das Pendeln, das
Umziehen von Stadt zu Stadt im modernen Europa thematisiert: Stapel
von Umzugskartons und Wohnungsreinrichtung simulierten als temporäre
Installation die Mobilität, der Kamin an der Straßenecke
war eine die heimelige Geste in einem fremden Stadtraum und letztlich
thematisierten die vielen, auf einer Fußgängerbrücke
ausgelegten Fußmatten den Übergang vom Privaten ins unpersönliche
Öffentliche.
Am
Beispiel „Luxemburg 2007“ wurden in der anschließenden
Diskussion noch einmal intensiv die Effekte der vielfältigen
kulturellen Aktivitäten einer Kulturhauptstadt hinterleuchtet.
Luxemburg wurde kritisiert, lediglich ein Feuerwerk von Aktionen
abzufackeln, um ein Jahr lang im Focus der Aufmerksamkeit zu stehen.
Dieses Verständnis von Kulturhauptstadt sei zu kurz gegriffen,
langfristige „Einträge“ in ein kollektives Gedächtnis
mit neuen Bildern einer Stadt seien so nicht zu erreichen, so auch Francois Valentiny, Präsident der Fondation de l`Architecture
et de l`Ingéniere in Luxemburg. Vor
diesem Hintergrund sei eine ernsthafte Architekturdiskussion extrem
wichtig, um letztlich auch mit baukulturellen Aktivitäten einen
bleibenden Effekt zu erzeugen und den Qualitäten einer Stadt
ein Gesicht zu geben.
Dirk Haas, RE.FLEX architects, stellte abschließend ein Projekt
vor, das zur Kulturhauptstadt RUHR.2010 angemeldet wurde: Land for
Free widmet sich dem eigenwilligen Landschaftsraum entlang der Emscher
mit seinen postindustriellen Brachflächen. Diese andersartigen
Freiräume, diese neuartigen Parks, die nicht dem entsprechen,
was das gelernte Bild eines Parks meint, diese Standorte gilt es,
mit vielfältigem Pioniergeist zu erobern. Dieses Land wartet
darauf, neu in Besitz genommen zu werden! Dazu
werden per Aufruf „Pioniere“ gesucht, die einzelne Claims
zeitlich begrenzt zur Verfügung gestellt bekommen, um sie kulturell
zu erobern und neu zu definieren – mit Sommerkolonien auf
stillgelegten Gleisanlagen, mit Erfindergaragen auf ehemaligem Industriegebiet
oder vielleicht sogar mit einer bleibenden nutzbaren Infrastruktur
zur Beherbergung von Besuchern.
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PROGRAMM
Vortrag und Diskussion mit:
François Valentiny, Hermann & Valentiny et Associés, Remerschen
Géraldine Knudson, Citymanagerin Luxemburg
Lèonore Branche, Projektleiterin Urban Lab, Luxemburg 2007
Regina Bittner, Bauhaus Kolleg Dessau, Projektleiterin Europe on the move Sibiu/Luxemburg 2007
Dirk Haas, RE.FLEX architects, Projektautor Land for Free
Moderation:
Prof. Christa Reicher, Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung
Autoroute du Soleil – ein Road-Movie | www.osmosiscie.com |