Baukultur Salon in Leipzig

Ort GFZK | Leipzig
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Laufzeit
19. August 2010

 
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RÜCKBLICK Mit dem GFZK-1, eine von Peter Kulka umgebaute und 1998 eröffnete Gründerzeitvilla, fand der Baukultur Salon auch hinsichtlich seiner Fragestellung einen repräsentativen Rahmen: Zur Diskussion stand an diesem Abend die Rolle von Kunst- und Kulturinstitutionen für die Entwicklung unserer Städte. Insbesondere über Zweck und Nutzen von interdisziplinären Netzwerken und Partnerschaften tauschten die Gesprächspartner sehr unterschiedliche Erwartungen, Erfahrungsberichte und Meinungen aus.
Unter dem Titel „Stadt der Möglichkeiten“ zeichnen die vielfältigen Projekte der Bereiche Bildende Kunst, Architektur und Städtebau im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 ein lebendiges und facettenreiches Bild des Ruhrgebiets. Katja Aßmann, Programmleiterin Bildende Kunst und Architektur bei der RUHR.2010, präsentierte einleitend Projekte, die sich mit den regionalen Infrastrukturen auseinandersetzen, Programmpunkte aus den RuhrKunstMuseen und der Biennale für Internationale Lichtkunst. Über die thematische Vielfalt hinaus wurde deutlich, dass die dahinter stehenden Projektstrukturen – wie Institutionen, Netzwerke und Partnerschaften – elementarer Bestandteil sind und Einfluss auf Ablauf und Ergebnis der einzelnen Projekte nehmen. Die vertiefende Darstellung des Kurators der Biennale für Internationale Lichtkunst, Matthias Wagner K, untermauerte dies mit konkreten Beispielen: sehr spannend und sehr wichtig sei die Akteurskonstellation gewesen, bei der private Räume wie Wohnzimmer und Wintergärten der Internationalen Lichtkunst als „Galerie“ dienten, die Bewohner gleichermaßen Gastgeber für die Kunst wie für die Besucher der Ausstellung waren. Im weiteren Gesprächsverlauf ergänzte er auf Nachfrage von Ulrike Rose, Leiterin der StadtBauKultur NRW und Moderatorin an diesem Abend, dass die Biennale durchaus Veränderungen langfristiger Art angestoßen habe; nachhaltig seien vor allem die sozialen Kontakte der „Gastgeber“ untereinander, eine Gemeinschaft von Menschen, die erst mit der Biennale ein Interesse für Kunst und Ausstellungen entwickelte.
In ganz unterschiedlichen Formaten forciert Kurt Wettengl, Direktor Museum am Ostwall im Dortmunder U, die Auseinandersetzung mit Stadt in seinem Haus: Ausstellungen, Veranstaltungen und Diskussionen zu Themen wie Schrumpfung der Städte, zur Kioskkultur im städtischen Raum oder die Präsentation eines arbeitenden Architekturbüros in den Museumsräumen zeigen Möglichkeiten auf, dem Besucher die „Bandbreite des Städtischen“ näher zu bringen. Die seitens der Stadt Dortmund ursprünglich nicht gewünschte Ausstellung „Schrumpfende Städte“ löste bereits im Vorfeld Diskussionen aus und hat, präsentiert in Leipzig, dort eine veränderte, nicht mehr ausschließlich negative Wahrnehmung des Themas bewirkt, so Barbara Steiner, Direktorin Galerie für Zeitgenössische Kunst. Sie sieht ihr Haus als eines, das sich gesellschaftlichen Fragen stellt, mit Räumen für den Austausch und Räumen, die den Austausch nicht zulassen – denn Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit sei nicht für jedes Projekt zuträglich, wie sie gerade auch mit der Umsetzung der Ausstellung „Schrumpfende Städte“ erfahren musste. Hingegen wünscht sich der Stadtbaurat der Stadt Leipzig, Martin zur Nedden, häufiger neue Impulse aus interdisziplinären Netzwerken und aus Kooperationen mit Künstlern für die traditionellen Instrumente der Stadtentwicklung. Jedoch wies er darauf hin, dass es zu wenige Projekte gäbe, die diese Netzwerke entstehen lassen und sie auf Dauer festigen; ein Dilemma sind die fehlenden Fördermittel für entsprechende Projekte. Der ehemalige Stadtbaurat der Ruhrgebietsstadt Bochum nannte in diesem Zusammenhang das Netzwerkprojekt „B1 | A40 – Die Schönheit der großen Straße“ als geeigneten und wichtigen Impulsgeber der Region.
Als Beispiel gebend für eine gelungene Zusammenarbeit stellte Prof. Kurt Wettengl im Laufe des Abends die so genannten RuhrKunstMuseen vor; eine Kooperation von 20 eigentlich konkurrierenden Ruhrgebiets-Museen, die – angestoßen durch die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 – gemeinsam Programm- und Projektreihen umsetzen. Auch die Frage der Nachhaltigkeit bestehen die RuhrKunstMuseen: RUHR.2010 war eine gute Starthilfe, doch auch 2011 und darüber hinaus geht es weiter und zwar aus dem eigenen Etat.
Aus dem Publikum kam Kritik an einzelnen Projekten der RUHR.2010. Einige Landschaftsprojekte seien zu wenig kontextgebunden und die Möglichkeit, Folgeprozesse anzustiften, sei ungenutzt geblieben – zumindest wäre eine gewisse Nachhaltigkeit für die Region nicht überall zu finden.
Die  Frage nach den elementaren, strukturellen Unterschieden zwischen Leipzig und dem Ruhrgebiet fassten die Experten in drei Punkten zusammen: der Migrantenanteil, die Polyzentralität des Ruhrgebiets und die Leerstandssituation in Leipzig (Wohnungsbestand).
Welchen Zweck und Nutzen die angesprochenen Netzwerke, Partnerschaften und Projektstrukturen für die Entwicklung der Städte künftig haben, ist weiter zu diskutieren.

PROGRAMM

Begrüßung:
Dr. Barbara Steiner, Direktorin Galerie für Zeitgenössische Kunst

Einführung in die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010:
Katja Aßmann, Programmleitung Architektur / Bildende Kunst, RUHR.2010

Diskussion mit:
Matthias Wagner K, Kurator Internationale Biennale für Lichtkunst
Dr. Barbara Steiner, Direktorin Galerie für Zeitgenössische Kunst
Martin zur Nedden, Stadtbaurat Stadt Leipzig
Prof. Dr. Kurt Wettengl, Museum am Ostwall im Dortmunder U

Moderation:
Ulrike Rose, Leiterin StadtBauKultur NRW

Imbiss, Bilderbogen und Filme RUHR.2010

   
  Interview Matthias Wagner K Kurator Internationale Biennale für Lichtkunst
   
 
   
  Interview Dr. Barbara Steiner
Direktorin Galerie für Zeitgenössische Kunst
     
 
     
    Interview Martin zur Nedden
Stadtbaurat Stadt Leipzig
     
 
     
    Interview Prof. Dr. Kurt Wettengl Museum am Ostwall im Dortmunder U